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Ärzte Zeitung, 30.3.1998

Aktuelle Diskussion

E-mail-Anfragen von Patienten - Ist Antwort nötig?

Bonn (Rö). Anbieter von medizinischen Informationen für Ärzte im World-Wide-Web, die die Möglichkeit bieten, E-mail zu senden, erhalten auch Anfragen von Patienten. Wie mit ihnen umgegangen werden soll, darüber gibt es noch keinen Konsens. Die Spanne reicht derzeit von Ignorieren bis zur Übermittlung ausführlicher Therapievorschläge nach einer Ferndiagnose. Viele Ärzte sehen diesen Zustand als problematisch an.

Das hat Dr. Gunther Eysenbach von der Universitätsklinik Erlangen beim 3. Workshop der Arbeitsgruppe Internet der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie in Bonn berichtet. Der Wissenschaftler hat untersucht, wie Patienten ein dermatologisches Patienteninformationssystem zum Anlaß nehmen, per E-mail Fragen zu stellen, wie Informationsanbieter mit einer Patienten-E-mail umgehen und wie die Verantwortlichen für die Angebote ihr Vorgehen in einem Fragebogen beschreiben.

Dazu wurden 209 Patienten-E-mails analysiert. Die meisten der Patienten waren offenbar chronisch krank, viele waren bei mehreren Ärzten gewesen. 17 Prozent hatten bei ihrer bisherigen Therapie negative Erfahrungen gemacht. In der zweiten Phase wurde dann eine Test-E-mail an 56 Anbieter von Informationen geschickt, meist Universitätskliniken. In ihr beschreibt ein immunsupprimierter Patient die Symptome eines Herpes zoster. 50 Prozent schickten eine E-mail zurück, die Hälfte davon stellte eine Ferndiagnose. Fast alle empfahlen einen Arztbesuch. 17 Prozent nannten Empfehlungen für die Virusstatika-Therapie. Im dritten Teil der Untersuchung, der Fragebogenaktion, zeigten sich große Unterschiede. Von denen, die vorher die fiktive E-mail-Anfrage beantwortet hatten, gaben 28 Prozent an, solche Mails nicht zu beantworten, 24 Prozent sagten, sie gäben eine Standardantwort, und 24 Prozent beantworteten solche Anfragen stets individuell.

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